Samstag, 11. Dezember 2010

Interkulturelle Unterschiede Teil 4: Der Parkplatz

In Brasilien sind Parkplätze ebenso knapp wie in Deutschland. Sind alle Parkhäuser voll oder schon geschlossen, müssen Sie am Straßenrand parken. Hier gibt es natürlich einmal offizielle kostenpflichtige Parkplätze, welche man ähnlich wie in Deutschland per Ticket an Automaten oder anderen Verkaufststellen bezahlt. In anderen Straßen wäre es zumindest offiziell möglich für Sie kostenlos zu parken. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Parken Sie besonders abends in abgelegenen Straßen werden Sie beim Einparken sofort von einem "Aufpasser" abgefangen. Dieser hilft Ihnen einmal beim Einparken durch unglaublich detaillierte Handzeichen und andererseits bietet er seine Dienste an, indem er den ganzen Abend einen Straßenzug überblickt und aufpasst, dass niemand sich an den Autos vergreift. Natürlich sind dafür 1-3 Reals fällig. Sollten Sie nicht zahlen, kann er natürlich auch nichts unternehmen, falls "Unbekannte" gerade Ihr Auto aufbrechen, das Radio oder das ganze Fahrzeug stehlen....

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Radausflug nach Morretes

Was passt alles zu einem sonntäglichen Fahrradausflug in Curitiba?

Fahrrad - Ja
Helm - Selbstverständlich
Reiseproviant - Jupp
Gutes Wetter - Aber immer gerne
30 km Autobahn - Sowieso
nette Mitfahrende - auch das
Natur - Ein Muss
Ein kühles Bier danach - oh ja

Wenn einem nichts Besonderes aufgefallen ist, möge er doch noch einmal die Auflistung durchgehen. Nachdem wir (Die Austauschstudenten) uns immer darüber beschwert haben, dass  keine Möglichkeiten zum Radfahren in Curitiba (außer die Radwege zwischen den einzelnen Parks) existieren, wurden wir von unserer brasilianischen Kommilitonin dazu eingeladen an einem sonntäglichen Radaausflug nach Morretes teilzunehmen, welches hinter dem atlantischen Regenwald liegt.

Somit standen wir um 5 Uhr morgens auf um noch bei aller Dunkelheit ein Rad beim Velo Club Curitiba auszuleihen, welcher den Ausflug auch veranstaltete. Mit knapp 15 Leuten starteten wir in Curitiba und fuhren dem Sonnenaufgang entgegen durch eine leere und schlafende Großstadt in voller Hoffnung auf die Natur, die uns in wenigen Kilometern erwarten würde. Als wir die Stadt verliesen, mussten wir jedoch feststellen, dass wir uns nicht auf einem ruhigen Wanderweg sondern auf einer vielbefahrenen 4 oder 6 spurigen Autobahn befinden, welche Richtung Morretes führt. Hier fuhren wir am Straßenrand knapp 30 km entlang. Dass dies für die Curritibanos zumindest nicht ungewöhnlich ist, zeigte sich dadurch, dass wir nicht die einzigen Radfahrer auf der Autobahn waren. Nach einigen Minuten gewöhnte man sich auch an die Sattelschlepper, die in 2 Meter Entfernung mit 100 km/h an einem vorbeifuhren.

Nachdem es einige Zeit sehr ebenerdig war, änderte sich die Neigung und wir fuhren eine knappe halbe Stunde nur abwärts an den Bergen entlang, die Hochebene verlassend. Danach kamen wir endlich auf einen Wanderpfad, welcher durch den Dschungel, entlang an kleinen Dörfern und wunderschönen klaren Flüssen mit Wasserfällen, an Feldern mit Maracuja-Sträuchern bis hin zu einem mit Touristen überfüllten (ich hasse Touristen) Morretes. Mit einem Bier und etwas zu Essen ließen wir den Tag dann am Ufer ausklingen.

Autobahn Richtung Morretes

Kleine Pause
Ausblick auf die Tiefebene


Kleiner Ort am Wanderpfad entlang
Links ist das "Schneedacc" des Haus des Weihnachstmann zu erkennen

Ausruhen am Fluss

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Porto Alegre

Fliegt man mit Web-Jet nach Porto Alegre, sollte man sich über das Sitzplatz-Ticket genau informieren. Es kann nämlich passieren, dass schon jemand auf dem zugewiesenen Sitz Platz genommen hat. Web-Jet nimmt es nämlich bei Nachnamen nicht so genau. Besitzen zwei Passagiere den gleichen Nachnamen kriegen sie doch einfach auch den gleichen Sitzplatz zugewiesen. Nach wenigen Minuten diskutieren mit den Stewardessen hatte sich das Missverständniss geklärt. Dafür lernte ich einen Namensvetter  mit den Namen Lucio "Hickmann" kennen. Wie sich heraustellte hat der Geschäftsmann Vorfahren aus Deutschland und ist sehr an der Ahnenforschung interessiert. Zurück in Deutschland muss mal auf den Familienstammbaum geschaut werden, ob man nicht vielleicht miteinander verwandt ist.

In Porto Alegre angekommen wird man sehr schnell wieder mit der disziplinierten Lieblingstätigkeit der Brasilianer konfrontiert: Dem Schlange stehen.
Hier wird sich nicht einfach das nächstbeste Taxi gekrallt, das gerade auf einen wartet. Nein, hier herrscht noch Ordnung und man muss ca 10 Minuten warten bis man der Reihe ist.

Porto Alegre ist die südlichste Millionenstadt Brasiliens und  einerseits von Italienern und Deutschen geprägt andererseits auch von der Gaucho-Kultur, welche auf eine Vermischung der Portugiesen mit den früheren Indianern zurückzuführen ist. Städtebaulich  und auch kulturell ähnelt die Stadt eher den näherliegenden Haupstädten Uruquays und Argentiniens Montevideo und Buenos Aires als den anderen brasilianischen Städten Sao Paulo oder Rio de Janeiro.

Bekannt ist die Stadt für ihre partizipative Verwaltungsstruktur, in der die Bevölkerung direkt auf den Haushalt und auf Projekte innerhalb der Stadt Einfluss nehmen kann (sogar für Deutschland sehr vorbildhaft). Dies war auch einer der Gründe weswegen ich mit meinen Kommilitonen nach Porto Alegre gereist bin. Zudem wurden wir von der Stadt eingeladen uns die Favela Vila "Chocolatão" anzuschauen. Ein kleines wirklich sehr armes Quartier in dem einige 1000 Leute unter den schlimmsten Bedingungen wohnen. Die Stadt entwickelt für diese Einwohner ein neues Viertel außerhalb der Stadt, in das die Bevölkerung im nächsten März umgesiedelt werden soll. Einerseits erhalten die Bewohner dann schmucke kleine Reihenhäuser mit Strom-, Wasser und sonstiger Versorgung. Andererseits werden sie von ihrem zentral in der Innenstadt gelegenen Quartier an den Stadtrand gedrängt. Eine zwiespältige Angelegenheit...

Ehemaliges Hotel Majestic - Heutige Kunstaglerie mit Café

Mercado Publico mit U-Bahn Anschluss

Wunderschöne Straßenschluchten in Porto Alegre

Favela Vila "Chocolatão" in Porto Alegre

Zukünftige Heimat der Bewohner am Stadtrand