Wenn man nach Paris reist, muss man unbedingt den Eifelturm bestiegen haben; war man in Rom sind das Kolosseum und der Vatikan Pflicht; Berlin ohne Brandenburger Tor geht garnicht. Wenn man in Curitiba als Tourist ist, muss man unbedingt einmal mit den weltberühmten Bussen gefahren sein. Dieses fiel mir sehr deutlich auf als ich mit meiner Seminargruppe zu Besuch beim IPPUC, vergleichbar mit einem überdimensionierten Stadtplanungsamt, war. Hier trafen wir eine Touristengruppe von Architekten und Stadtplanern aus der ganzen Welt, welche zur Zeit Brasilien bereisen und an jenem Tage einen Stopp zwischen Brasilia und Porto Alegre in Curitiba machten. Wissbegierig wie eine Touristengruppe von Japanern die von Weitem schon das Schloss Neuschwanstein entdecken, fragten Sie alles Mögliche über diesen Mythos "Bussystem Curitiba" und man sah die Beigeisterung in ihren Augen als Sie daraufhin die erste Röhrenstation betraten um einen dieser legendären roten Busse zufahren, während Sie von allem ein Foto machten, was sie vor die Linse bekamen.
Für die Unwissenden unter Euch:
Curitiba ist bekannt für sein ausgeklügeltes ÖPNV-System, welches komplett nur durch Busse betrieben wird. Hierbei übernehmen die Busse alle Aufgaben, die in europäischen Großstädte der Bus, die Straßenbahn und die U-Bahn übernehmen. Es fungieren hierbei verschiedene Liniensysteme, welche aufeinanderaufbauen und dafür sorgen, dass auch Pendler aus der Peripherie schnell in die Innenstadt gelangen. Am Spektakulärsten sind hierbei die roten Busse, welche die auf den Hauptachsen Norden, Südosten, Süden und Westen verkehren und in der Mitte einer sechsspurigen Straße verkehren. Die Passagiere steigen hierfür in Röhrenstationen, in denen der Fahrpreis schon bezahlt wird. Die Stationen sind auf gleicher Höhe der Busse, womit der schnelle Passagieraustausch garantiert ist. Weiterhin gibt es zentrale Terminals in der ganzen Stadt verteilt in denen die Passagiere kostenlos umsteigen können. Somit muss man nur einmal zahlen. Eine Fahrt kostet 2,20 Reais (0,93€)
Leider ist dieses Konzept, stammend immerhin aus den 60er Jahren und kaum überarbeitet, nicht mehr zeitgemäß. Die Busse sind, aufgrund des starken Bevölkerungswachstums, jeden Tag überfüllt. Ein telematisches Informationssystem, von öffentlich aushängenden Fahrplänen ganz zu schweigen, ist überhaupt nicht vorhanden. Somit überlegt sich die Stadt ob sie dieser Probleme mit einer U-Bahn Herr wird. Nur werden dann auch in Zukunft die Menschen aus aller Welt wegen einer U-Bahn nach Curitiba kommen?
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| Die verschiedenen Liniensysteme (Quelle: IPPUC) |
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| Terminal Guadalupe |
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| Röhrenstation in der Innenstadt |
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| Röhrenstation in Ecoville |